Sustainable Actuarial Incentive Modeling (SAIN)
Definition
Sustainable Actuarial Incentive Modeling (SAIN) bezeichnet die Entwicklung und den Einsatz aktuarieller Modelle in Tarifierung, Reservierung, Kapitalmodellierung, Szenario-/Stresstests, Asset-Liability-Management (ALM) und Modellvalidierung. Diese Modelle berücksichtigen nachhaltiges Handeln auf Grundlage naturwissenschaftlicher Kriterien und empirischer Verhaltensdaten durch transparente Bonus-/Malus-Mechanismen, die darauf abzielen, nachhaltige Entscheidungen nicht nur zu fördern, sondern auch gezielt zu belohnen oder bei nicht nachhaltigem Verhalten zu sanktionieren. Die Verhaltenssteuerung durch Anreizmechanismen wird dabei als aktuariell bewerteter Bestandteil der Tarifkalkulation und Risikomodellierung integriert. Zusätzlich werden Mehrleistungen für nachhaltigen Schadenersatz sachlich begründet bepreist.
Die Risikobewertung erfolgt kurz-, mittel- und langfristig entlang klar definierter Zeithorizonte und stützt sich nicht allein auf historische Trends, sondern integriert zukunftsorientierte Szenarien, um physische, Transitions- sowie Haftungs-/Reputationsrisiken angemessen abzubilden.
Beschreibung
Die »Nachhaltigkeitsorientierte aktuarielle Anreizmodellierung« (SAIN) ist eine versicherungsmathematische Methode zur Bewertung und Honorierung nachhaltiger Aktivitäten auf Basis ihrer aktuariellen Wertigkeit.
Sie kombiniert die Prinzipien der Anreizsteuerung mit aktuariellen Kalkulationsmodellen, um das Verhalten von Versicherungsnehmern gezielt in Richtung nachhaltiger Entscheidungen zu lenken. Dabei berücksichtigt SAIN nicht nur Maßnahmen des Klimaschutzes und der Klimaanpassung, sondern auch alle relevanten Dimensionen einer ganzheitlichen Nachhaltigkeit, einschließlich ökologischer, sozialer und ökonomischer Aspekte. Darüber hinaus fließt die aktuarielle Wertigkeit von nachhaltigen Vertragsformulierungen (»Wordings«) sowie von Mehrleistungen für nachhaltigen Schadenersatz in die Modellierung ein.
Ziel ist es, Anreize für verantwortungsbewusstes Handeln ex ante Schaden zu schaffen, dessen langfristigen Nutzen systematisch in Entscheidungsprozesse einzubeziehen und sicherzustellen, dass Schadensfälle ex post Schaden im Sinne der Nachhaltigkeit nicht nur reguliert werden, sondern auch Schadenminderungsprävention betrieben wird, um die (Klima-)Resilienz zu stärken.
Ein wesentliches Ziel ist zudem, die in den Produkten verankerte Nachhaltigkeit als attraktives Verkaufsargument zu positionieren.
Das Akronym »SAIN« legt den Fokus auf »sustainable«, also die umfassende Nachhaltigkeit. Wenn ausschließlich der Bereich Umwelt im Fokus stehen soll, kann das Modell auch auf »green«, also den Bereich Umwelt, fokussiert werden. Dann wird das Modell als »Green Actuarial Incentive Model« bezeichnet. Das Akronym lautet dann »GAIN«. Somit stehen zwei Akronyme zur Verfügung, die der Anreizmodellierung im Sinne der Nachhaltigkeit bzw. der Umwelt Rechnung tragen: »SAIN« und »GAIN«.
Beispiel
Die Erstellung eines Hochwasserpasses durch einen Hochwasserpass-Sachkundigen (HKC) ist eine Maßnahme der präventiven Klimaanpassung. Der Hochwasserpass zeigt die Vulnerabilität gegenüber witterungsbedingten Überschwemmungen und Hochwasser auf und enthält Empfehlungen zur Stärkung der Resilienz.
Die Bereitschaft zur Erstellung eines Hochwasserpasses hat bereits einen subjektiven aktuariellen Wert durch die nachhaltige Handlung selbst; die Umsetzung der empfohlenen Maßnahmen reduziert die Vulnerabilität und schafft einen objektiven aktuariellen Wert.
Versicherer können dies ex ante Schaden durch niedrigere Selbstbehalte oder reduzierte Prämien honorieren und ex post Schaden in den Versicherungsbedingungen als präventive Schadenregulierung verankern.
Das Green Actuarial Incentive Modeling (GAIN) berücksichtigt sowohl das Verhalten und die Handlungen der Versicherungsnehmer als auch die vertragliche Ausgestaltung (Wording) und Mehrleistungen für nachhaltigen Schadenersatz. Der Hochwasserpass ist ein Beispiel, wie ein klassisches Versicherungsprodukt zu einem nachhaltigen und damit grünen Versicherungsprodukt weiterentwickelt werden kann.
META
Definition: Sustainable Actuarial Incentive Modeling; Akronym: SAIN; Übersetzung: Nachhaltigkeitsorientierte aktuarielle Anreizmodellierung; Urheber: Marcus Reichenberg; Veröffentlichung: 17.01.2026
